Geschichten

Molle und das Gespenst mit der Ketchup-Schnauze

Kutter

Auf dem Kutter geht es heute Nachmittag richtig gemütlich zu. Kapitän Hanno fegt Keksreste von Deck und das Möwenmädchen Molle versucht eifrig mit ihrem Schnabel Sonnenstrahlen einzufangen. Das geht natürlich nicht wirklich. Aber versuchen kann man es ja trotzdem. In diese Ruhe platzt Bootshund Piet. Laut polternd rennt er den Steg zum Kutter hoch. Scheinbar hatte er einen kleinen Streifzug gemacht und irgendwas muss ihn dabei tierisch aufgeregt haben. Er schnauft atemlos: „Ich habe ein Gespenst gesehen! Direkt hier am Ufer. Im Schilf! Und es ist immer noch da! Gruselig!“ Molle hört sofort auf mit ihrem Sonnenspiel und legt den Flügel auf sein Fell. „Och, Piet. Du Armer. Du brauchst keine Angst haben. Gespenster gibt es überhaupt nicht, das sind doch nur Geschichten. Und außerdem ist doch gar nicht Mitternacht. Es ist gerade mal zehn Uhr. Stimmt‘s Hanno?“, versucht sie zu beruhigen. „Da hast du recht“, sagt Hanno, „aber irgendetwas muss Piet ja gesehen haben, das ihm so einen Schreck eingejagt hat. Wir schauen uns das mal an.“ Piet ist gar nicht begeistert und trottet mit eingezogenem Schwanz hinter Hanno und Molle her. An der Reling angekommen, luschern die drei über das Geländer Richtung Schilf. Die Grashalme wiegen sich im Wind und Tatsache, da hat sich etwas Weißes bewegt. Kein Vogel. Kein Hase. Was ist das? „Hanno, ich glaube es gibt doch Gespenster. Vielleicht will es uns erschrecken?“, sagt Molle ängstlich. Hannos Augen werden ganz klein und er brummt leise: „Mhhh, ein Gespenst mit so krummen Beinen und pieksigen Stacheln im Gewand? Und hört ihr nicht dieses Schmatzen?“ Das Trio traut sich ein paar Schritte näher ran und Hanno fängt plötzlich fürchterlich an zu Lachen. „Hahahaha, Kinners! Das ist ein Igel. Der steckt in einer Pommestüte fest. Oh je. Komm mal her kleiner Freund. Ich befreie dich.“ Hanno geht direkt ins Schilf und versucht so vorsichtig wie möglich die Stacheln von der Tüte zu befreien. Er schafft es und zum Vorschein kommt das süße stachelige Gespenst. Molle und Piet jubeln: „Juhuuuu, tatsächlich, ein Igel. Mit einer richtigen Ketchup-Schnauze! Wir wussten doch direkt, dass es keine Gespenster gibt.“

Hanno nimmt den hungrigen Igel auf den Arm und bringt ihn mit an Bord. Der freut sich, dass er nicht mehr in der Tüte feststeckt. „So schnell wird der keine Pommes mehr naschen“, sagt Molle. „Ich mache dir eine Portion Nudeln. Den Ketchup dazu hast du ja schon auf deiner Schnauze geparkt.“ Alle freuen sich. Vor allem Piet. Dass es keine Gespenster und noch eine Extraportion Nudeln gibt.

Illustrationen von Diana Kohne von handundmaus.de

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